Tips
1. Allgemeine Hinweise zur Verbesserung der
Bildqualität.
- Zur Vervollkommnung eigener
fotografischer Fähigkeiten empfiehlt es sich ein Thema über
längere Zeit zu verfolgen. Durch die ständige selbstkritische Auslese
von Fotos zu einem Projekt, können auch Amateure ein professionelles
Niveau erreichen.
- Fotos werden eindrucksvoller, wenn
sie nicht geplant werden. Die konkrete Bildidee sollte man erst "vor
Ort" entwickeln. Geplante Fotos sind meist nicht so überzeugend und
wirken oft gestellt. Das "Entdecken" von Bildern ist besser als das
"Konstruieren" von Fotos. Bilder "mit Phantasie zu sehen"
führt am Ende zu wirkungsvolleren fotografischen Ergebnissen als die
"Planung" von Bildideen oder das Fotografieren nach Klischees.
- In der Porträtfotografie ist es
besser das Modell nicht zu bedrängen oder in eine Rolle zu zwingen. Man
sollte "auf dem Foto nicht den Fotografen sehen" können. Das
Posieren für den Fotografen ist besonders bei Amateurmodellen zu
vermeiden. Über eine Art "Livefotografie" kommt man auch beim
Porträt zu besseren Ergebnissen. Emotionen sind auch im Bild
überzeugender, wenn sie echt sind.
- Um gewohnte Perspektiven, die sich
oft sehr ähneln zu überwinden, kann man als Übung fotografische
Studien an nicht bewegten Objekten machen.
- Wenn man ein Motiv 5 -10 mal aus
verschiedenen Blickwinkeln, Ausschnitten und mit unterschiedlicher Brennweite
fotografiert, kann man schneller zu besseren Ergebnissen kommen. Neue Sichten
sind dabei den gewohnten Blickwinkeln vorzuziehen.
- Das Anlehnen an direkte Vorbilder
aus Magazinen oder anderen Veröffentlichungen, führt nicht zu einer
eigenen fotografischen Handschrift. Orientieren Sie sich nicht zu sehr an
Vorbilder.

- Da Fotoamateure aus Spaß an der
Freude fotografieren und nicht unter Leistungsdruck stehen, können sie
wesentlich einfacher eine eigene fotografische Handschrift entwickeln als
Berufsfotografen, die dem Geschmack ihrer Auftraggeber nachkommen
müssen.
- Für die Entwicklung
individueller Sehweisen empfiehlt es sich mit der Kamera zu experimentieren.
Man sollte sich grundsätzlich bemühen weniger mit dem Kopf zu
fotografieren, sondern mehr "aus dem Bauch" heraus.
Entwicklung eines guten
Fotografen erfolgt in drei Stufen:
Anfänger
Der Anfänger versucht
hauptsächlich die fotografische Technik in den Griff zu bekommen. Das
Ergebnis sind reine Bilddokumente meist für private Zwecke. Die Fotos
werden noch nicht bewußt gestaltet. Es werden noch keine eigene Projekte
erarbeitet. Man verläßt sich noch mehr auf das gute Einzelfoto als
Zufallsprodukt.
Fortgeschritte
Amateure
Fortgeschrittene Amateure
möchten bessere Bilder machen. Sie wenden sich zwangsläufig der
Bildgestaltung zu. Über die in den gängigen Fotomagazinen angebotenen
"kreativen" technischen Gestaltungshilfen, wie Filtern, Tricklinsen
oder zusätzliche Programme an der Kamera, wird versucht die Fotos
effektvoller zu gestalten. Ziel ist meist das schöne Foto. Oft werden
Sonnenuntergänge oder andere Gegenlichtmotive fotografiert. Die Perfektion
endet beim gut gestalteten Kalenderfoto. Gesucht wird meist die Harmonie im
Bild.
Fotograf mit
künstlerischem Anliegen
Fotografen mit einem
künstlerischen Anspruch versuchen meist eine eigene fotografische
Handschrift zu entwickeln. Diese Fotografen sind weniger technikorientiert und
fotografieren nicht selten mit Kameras ohne viel Schnick - Schnack aber mit
hochwertigen Objektiven. Dafür wird mehr Wert auf die "eigene
Sicht" gelegt. Diese Fotografen besitzen ein eigenes fotografisches
Anliegen und arbeiten zielgerichtet an Projekten, die dann als Ganzes
veröffentlicht werden. Bevorzugt werden subtile Bildwirkungen die der
eigenen Persönlichkeit entsprechen. (nicht effektorientiert) Es wird nicht
nur nach der Harmonie im Bild gesucht, sondern es werden auch Widersprüche
u. Gegensätze im Bild gezeigt.
Als
Fotograf fängt man immer als Dokumetarist an. Danach wird meist versucht
den Fotos eine bessere Form zu geben und am Ende, als höchste Stufe der
Entwicklung kreativer Fähigkeiten, steht die Ausprägung einer eigenen
fotografischen Handschrift.
Intolerante Auftrageber, Leistungsdruck und das Degradieren von
Fotografen zum "Rohstofflieferanten" verhindern die Entwicklung von
fotografischen Persönlichkeiten. Vorhandene kreative Fähigkeiten
können dadurch auch blockiert werden.
2. Bildgestaltung
- Für die Bildgestaltung ist es
besonders wichtig, Fotos abstrakt zu sehen und in Punkte, Linien und
Flächen zu aufzugliedern. Dabei empfiehlt es sich alle Teile des Bildes
(den gesamten Bildraum auch die Schattenflächen) für die
Bildgestaltung einzubeziehen.
- Um Fotos interessanter zu gestalten,
sollte man Spannung ins Bild bringen. Eine diagonale Linienführung und das
Anschneiden von Flächen sind in diesem Fall besonders wichtig. Man kann
z.B. den Horizont nach oben oder unten verlagern um eine langweilige Teilung
des Bildes genau in der Mitte zu vermeiden. Versuchen Sie die technisch vorgegebene Tendenz zur
Mitte (z.B. durch die Scharfeinstellung) zu überwinden.
- Besser als die Bildmitte für das
Hauptmotiv ist der "Goldene Schnitt". Er ist die Teilung des Bildes
im Verhältnis 5:8 .
- Es empfiehlt sich den Bildausschnitt
bereits vor dem Auslösen der Kamera festzulegen. Die erste Entscheidung die man als Fotograf zu treffen
hat, ist die Wahl des Bildformats. (Hoch- oder Querformat)
- Unwichtige Zusatzinformationen
insbesondere am Bildrand, die nicht unbedingt für die Bildaussage
notwendig sind, können weggelassen werden. Die Konzentration auf wesentlichen Bildelemente ist
besonders wichtig.
- Helle Stellen im Bild ziehen immer die
Aufmerksamkeit auf sich. Unwichtige helle Flächen könnte man im Labor
oder digital per Computer nachdunkeln.
- In der Farbfotografie sind bunte Bilder
mit sehr vielen knalligen Farben zu vermeiden. Auch hier hilft die
Konzentration auf das Wesentliche durch den engen Bildausschnitt. Monochrome
Fotos sind oft wirkungsvoller.
- Die Veränderung des
Kamerastandpunktes ist eine der wichtigsten Methoden um bestimmte Bildaussagen
oder Bildwirkungen zu erzielen. Eine andere Brennweite reicht nicht aus um
ausgesprochen gut gestaltete Bilder zu machen. Das ständige
Hindurchschauen durch den Sucher, während man sich um ein Objekt
herumbewegt, hat sich bei der Suche nach neuen Sichten bewährt. Dadurch
können alte Sehgewohnheiten überwunden werden.
Die Hinweise stellen nur
eine kurze Einleitung in das Problem der Verbesserung von fotografischen
Bildern dar. Konkrete Hinweise sind nur im Rahmen von Workshops
möglich.
© 1999 by Dipl.Päd. G.Dießel
Nachdruck und
Übernahme, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des
Autors.